Wer zum ersten Mal Fulfillment-Angebote vergleicht, merkt schnell: Ein einzelner Preis je Paket ist selten die ganze Wahrheit. Hinter der Zahl stecken mehrere Positionen, und Anbieter rechnen sie unterschiedlich ab. Ein Angebot, das auf den ersten Blick günstig aussieht, kann am Monatsende teurer sein – wenn die Positionen, die im Angebot fehlen, später auf der Rechnung stehen.
Hier sind die Bausteine, die in fast jedem Fulfillment-Preis stecken.
1. Lagerung
Bezahlt wird der Platz, den deine Ware im Lager belegt. Üblich sind drei Modelle:
- je Palettenplatz – einfach, aber teuer, wenn eine Palette halb leer ist,
- je Fachboden oder Regalplatz – passend für kleine Artikel,
- je Kubikmeter – nah an dem, was tatsächlich belegt ist.
Wichtig ist außerdem, wann gemessen wird. Wer am Monatsende oder zum Höchststand abrechnet, berechnet einen vollen Container am 28. für den ganzen Monat. Wir halten den Bestand jede Nacht fest und rechnen den Durchschnitt je Kubikmeter ab, dazu eine kleine Lagerplatzpauschale je Artikel. Eine Mindestfläche gibt es nicht.
2. Wareneingang
Die Ware muss angenommen, gezählt, geprüft und eingelagert werden. Abgerechnet wird das je Palette, je Karton oder nach Zeit. Achte darauf, was passiert, wenn eine Lieferung nicht zum Avis passt – Nacharbeit wie Umetikettieren oder Sortieren wird oft gesondert berechnet.
3. Pick und Pack
Das ist der Kern jeder Bestellung, und hier unterscheiden sich die Modelle am stärksten:
- Auftragspauschale (Pack): einmal je Bestellung – Packen, Etikett, Versandvorbereitung.
- Pick: je Artikel, der aus dem Regal geholt wird.
- Verpackungsmaterial: Karton, Füllmaterial, Klebeband – mal inklusive, mal je Stück.
Der Unterschied zu einem Preis je Einheit, wie ihn Amazon bei FBA verlangt, ist erheblich: Dort kostet jeder Artikel eine volle Versandgebühr, auch wenn drei Artikel in einem Karton liegen. Bei einer Auftragspauschale plus Pick zahlst du das Paket einmal und jeden weiteren Artikel nur mit dem Griff ins Regal. Mehr dazu in unserem Artikel FBA je Einheit, Fulfillment je Paket.
4. Porto
Das Porto hängt von Paketdienst, Gewicht, Maßen und Zielland ab. Ein Fulfillment-Dienstleister mit vielen Händlern bekommt bessere Konditionen als ein einzelner Händler – ein Teil des Vorteils sollte bei dir ankommen.
Frag nach, wie gewogen wird: Nach dem Gewicht, das der Paketdienst misst, oder nach dem Artikelgewicht aus den Stammdaten? Und wer zahlt, wenn der Paketdienst nachbelastet?
5. Zuschläge
Paketdienste erheben Zuschläge, die nicht im Grundpreis stecken: Peakzuschlag im November und Dezember, Energiezuschlag als Prozentsatz, Maut- und CO₂-Zuschlag, Zuschläge für Sperrgut oder Übermaß. Ein faires Angebot nennt sie und erklärt, ob sie mit oder ohne Aufschlag weitergegeben werden. Wir reichen die Zuschläge der Paketdienste ohne Aufschlag weiter.
6. Retouren
Eine Rücksendung muss angenommen, geprüft, eingestuft und wieder eingelagert werden. Üblich ist ein Preis je Retoure, teils zuzüglich je Artikel. Wir berechnen die Retoure mit der Einbuchung, also wenn das Lager sie tatsächlich bearbeitet hat.
7. Sonderleistungen
Etikettieren, Bündeln, Beilagen, Inventuren außer der Reihe, Prep für Amazon: Was nicht zum Standardablauf gehört, wird meist nach Zeit abgerechnet – bei uns in 15-Minuten-Schritten. Frag vorher, welche Leistungen für dein Sortiment regelmäßig anfallen.
Der Tarif hängt an der Menge
Die meisten Dienstleister staffeln ihre Preise nach Volumen. Bei uns richtet sich der Tarif nach den versendeten Paketen im Monat:
| Pakete im Monat | Tarif |
|---|---|
| unter 100 | Starter |
| 100 bis 5.000 | Standard |
| 5.001 bis 11.000 | Pro |
| ab 11.001 | Enterprise, individuell |
Die Anbindung an Shop und Marktplätze kostet nichts extra.
Woran du ein faires Angebot erkennst
- Jede Position hat einen Namen und einen Preis – keine Pauschale, hinter der sich alles verstecken kann.
- Zuschläge stehen drin und es ist klar, ob sie weitergereicht oder aufgeschlagen werden.
- Lagerung nach Durchschnitt, nicht nach Höchststand.
- Auf der Rechnung lässt sich jede Bestellung nachvollziehen – was hat dieser Auftrag gekostet und warum?
- Keine Mindestmengen oder Laufzeiten, die dich festhalten, bevor du weißt, ob es passt.
Was Fulfillment für dein Sortiment kostet, rechnest du im Kostenrechner durch – mit Gewicht, Artikeln je Paket und Zielland.
Stand: November 2026.
